|
Bewegung im Spiel - von
Stangen und Lagern
::: Stangenwahl - Stangenqual
Bei der Wahl der richtigen Stangen sind einige Punkte zu
bedenken.
Zunächst geht es um die Frage, ob Hohl- oder Vollstangen
verwendet werden sollen. Angesichts der erheblichen Preisdifferenzen
stellt sich dann die Frage, wie hochwertig und damit teuer die Stangen
für den gewünschten Einsatzzweck sein sollen - oder
müssen. Schließlich gibt es auch beim Stangenkauf
die eine oder andere Falle, die wir aber mit den richtigen
Informationen leicht umgehen können. Zur Griffwahl verweise
ich
übrigens auf die entsprechende Seite aus dem Tuning-Special: hier.
Doch der Reihe nach ...
::: Hohlstange oder
Vollstange?
Die klassische Bestückung deutscher Soccertische ist die
massive 16 mm starke Vollstange. International geht der Trend dagegen
seit Jahren zur Hohlstange - Vollstangentische sind dort gar nicht
anzutreffen. Auch
die P4P-Turnierserie hat ihren P4P-Tisch mit Beginn des
Jahres 2007 auf Hohlstangenbestückung umgestellt, womit die
letzte
Bastion der Vollstangenbefürworter endgültig gefallen
ist. Seit 2007 werden
daher alle größeren Turniere und Meisterschaften auf
Hohlstangentischen ausgetragen. In Kneipen werden dagegen wohl noch auf
Jahre hinaus Vollstangentische stehen. Wer zuhause für seine
Kneipe oder aber das Turnier üben möchte, wird die
Stangenart wählen, der er dort begegnet. Bei Tischen für den reinen
Hausgebrauch ist es letztlich eine Geschmacksfrage, ob wir unseren
Tisch mit Voll- oder Hohlstangen ausstatten. Die Vollstange ist schwer,
das Spiel mit ihr erfordert relativ viel Kraft und belastet - wenn die
erforderlich Muskelmasse fehlt - die Gelenke und Sehnen
wesentlich stärker als das Spiel mit Hohlstangen. Hohlstangen
wiegen etwa die Hälfte von Vollstangen. Die
Mühelosigkeit eines Spiels mit Hohlstangen lässt sich
mit Vollstangen kaum erreichen. Allerdings ist eine Hohlstange bei
gleichem Durchmesser nicht so stabil wie eine Vollstange aus dem gleichen Stahlwerkstoff. Bei der auf Soccern vorwiegend
anzutreffenden Abrolltechnik werden Stangen beim Schuss zum Teil
erheblichen Biegungen ausgesetzt - besonders betroffen sind 2er- und
3er-(Angriffs-)Reihe. Ich bezeichne das dann immer als "schlechte"
Technik, weil der übertriebene Krafteinsatz die
Schussqualität überhaupt nicht erhöht und
somit nur unnötig Energie verschwendet - dies ändert
nichts daran, dass Spieler,
die viel überschüssige Kraft einsetzen, eine
Hohlstange "normaler" Stangenqualität dann schnell einmal
verbogen haben (aber bitte keine falschen Hoffnungen: diese Kollegen
schaffen es auch, mit der gleichen Technik Vollstangen zu verbiegen).
Mit diesen Überlegungen sind wir schon mitten im
nächsten Punkt angelangt: der Stangenqualität.
::: Wie teuer muss eine gute Stange sein? -
Stangenqualität
Zunächst
einmal sind ausgesprochene Billigstangen und Markenstangen zu
unterscheiden. Bei Billigstangen kostet eine Stange um die 10 Euro -
manchmal gibt es sogar komplette Stangensätze mit 8 Stangen
für 40-50 Euro. Bei diesen Stangen wird allerdings immer
wieder berichtet, dass sich die Verchromung schnell von den Stangen
löst, was wohl auf eine liederliche Vorbereitung (Reinigung)
der zu verchromenden Stange schließen lässt.
Außerdem darf man vermuten, dass die
Chromschichtstärke nicht allzu hoch ist und damit die
Verchromungsqualität eher einer Glanz- oder Schmuckverchromung
entspricht als der Hartverchromung einer guten Stange, die wesentlich
stärker und belastbarer ist. Solange die Stangen gerade
bleiben, ist eine fehlende Chromschicht mehr oder weniger ein optischer
Mangel. Hohlstangen dieser Qualitätsstufe sind
allerdings auch nicht sehr verbiegeresistent. - Dann gibt es
Markenstangen. Die 16 mm-Vollstange aus dem Hause Leonhart und
Lehmacher ist langjährig bewährt und die
Verchromungsgüte hoch. Schwieriger wird es bei der Hohlstange.
"Normale" Hohlstangen sind aus dem gleichen Stahl wie die Vollstangen
gefertigt und daher nicht so stabil wie ihre Vollstangengeschwister.
Sie kosten etwa 17-19 Euro pro Stange (wie auch die Vollstangen). Auch
die Fireball-Hohlstangen gehören zu dieser
Qualitätsstufe. Die Firma Lehmacher bietet für
Tecball und P4P besonders hochwertige Hohlstangen an, die sogar
verbiegeresistenter sind als die "alten" Vollstangen. Weil hier eine
besondere Stahllegierung zum Einsatz kommt, sind diese Stangen
allerdings auch drastisch teurer - der Stangenpreis wird kurzerhand
mehr als verdoppelt. Schließlich hat die Firma Leonhart kurz
vor Jahresende 2007 eine qualitativ verbesserte Hohlstange zu einem
Preis zwischen 22 und 25 Euro/Stange auf den Markt gebracht. Zu der
Frage, was diese Stangen taugen, gibt es momentan (Mitte Dezember 2007)
noch keine Erfahrungsberichte. Perfektionisten werden mit diesem
Vorschlag schlecht leben können: Vielleicht ist es eine
Überlegung wert, Stangen zu mischen. Die besonders belasteten
Verteidiger- und Angriffsreihen könnten dann mit besseren, die
weniger belasteten Torwart- und 5er-Reihen mit "normalen"
Hohlstangen bestückt werden. Wenn nichts gegen den Einsatz von
Vollstangen spricht, können natürlich auch die
vergleichsweise immer stabilen Vollstangen verwendet werden. Ist eine
solche Stange einmal "krumm gespielt", ist Ersatz hier immerhin relativ
günstig zu besorgen. Keine gute Entscheidung wäre das
allerdings für solche Spieler, die vorhaben, auf ihrem eigenen
Tisch auch für Turniere zu trainieren.
::: 5/8 Zoll oder 16
mm? In China
produzierte Billigstangen haben in der Regel einen Durchmesser von 5/8
Zoll. Rechnerisch entspricht das einem Durchmesser von 15,875 mm -
tatsächlich merkt man, dass die Figuren, die sich auf 16
mm-Stangen nur mit einiger Mühe aufschieben lassen, auf 5/8
Zoll-Stangen sogar etwas wackeln. Verwenden kann man geschraubte
Figuren auf solchen Stangen dennoch, weil die Verschraubung die Figur
an die Stange zieht und die Figuren somit fest sitzen. Nur bei mit
Federsplinten befestigten Figuren sollte die Figur selbst schon ohne
Luft auf der Stange sitzen, was gegen die Verwendung der
Fireball-Figuren auf 5/8 Zoll-Stangen spricht. Einfluss hat der
Stangendurchmesser daneben auf die Wahl der Lager - dazu
später mehr.
::: Fallen:
Figurenabstände und Stangenlängen Die
Verwendung von Noname-Billigstangen kann ein weiteres Problem mit sich
bringen. Auf modernen Soccer-Tischen (aber nicht nur
dort) ist das Tor üblicherweise 20,5 cm breit (Ullrich-Kicker und DTFB-Norm: 20 cm). Diese
Torbreite verlangt eine 2er-Reihe, bei der die Figuren einen Abstand
von 23,2 cm voneinander haben (gemessen von Bohrung zu Bohrung). Der
Grund: Bei dem "alten" Abstand von 24,8 cm kann die Verteidigerfigur
das Tor nicht vollständig decken, weil der
Verteidigerkollege schon an der Bande anschlägt, wenn noch
eine Ballbreite Tor offen steht - der Abstand der Verteidigerfiguren
wurde daher auf 23,2 cm verringert. Die Bilder zeigen einmal (oberes
Bild)
den 24,8 cm-Abstand, bei dem die offene Lücke sehr
schön sichtbar ist und einmal (unteres Bild) den korrekten
23,2 cm-Abstand, der eine vollständige
Deckung über die gesamte Torbreite ermöglicht. Der
Haken: Billige Stangen weisen auf der Verteidigerstange eben oft nicht
die benötigten 23,2 cm Bohrungsabstand auf. - Ein weiteres
Problem: Billige Noname-Stangen sind oft eher insgesamt kurze
Stangen. Bei Tischen, die recht dicke Seitenwände haben
und/oder der Verwendung vernünftiger Griffe, die in der Regel
länger als billige Griffe sind, stoßen solche
Stangen schnell an ihre Grenzen. Dann lassen sich im Eifer des Gefechts
prima die Daumen zwischen Griff und Lager quetschen - oder die Figuren
lassen sich gar nicht bis an die Bande schieben, weil der Griff bereits
an das Lager stößt. Hier ist es sicher besser, sich
vor einem Kauf zu informieren. - Die "richtigen" Maße
für Stangen für Soccer-Tische sind im Detail
festgehalten:
hier.
:::
Teleskopstangen?
Noch ein Wort zu Teleskopstangen. Sind kleine Kinder im Haus,
bedeuten Teleskopstangen einen beträchtlichen
Sicherheitsgewinn.
Teleksopstangen müssen auch nicht schlecht sein - der
ITSF-zertifizierte Bonzini-Tisch ist mit Teleskopstangen ausgestattet.
Im Modelljahr 2007 hat auch der Anbieter Tuniro seine beste Tischserie
mit Teleskopstangen ausgestattet, hat damit aber die Skepsis in der
Tischfußballszene nicht überwinden können.
Was schwer
wiegt: Für Teleskopstangen gibt es so gut wie kein
hochwertiges
Zubehör; schließlich wird hier spezielles Material
benötigt, da die Figuren nicht einfach durch die Stange
hindurch
festgeschraubt werden können. Für den Selberbauer
werden
Teleskopstangen daher kaum eine ernsthafte Alternative sein.
::: Lager:
Kugel- oder Gleitlager? Auch
wenn Anhieb jeder vermuten würde, dass Kugellager die
qualitativ hochwertigere Lösung darstellen - im Kickerbau
werden auch von
Premium-Anbietern überwiegend Gleitlager eingesetzt. Der
Grund: Gute Kugellager
sind teuer - und beim
Kickerbau spricht eben nichts gegen den Einbau der viel
günstigeren Gleitlager. Einfache Gleitlager, wie sie das Bild zeigt,
werden normalerweise von außen in
die genau passende Lagerbohrung gesteckt und dann mit 3 bis 4 Schrauben
befestigt. Auf der Innenseite der Seitenwand wird eine Rosette
angeschraubt, die aber für die Stangenführung selbst
keine
Funktion hat. Daneben gibt es auch etwas aufwändiger
konstruierte Gleitlager, bei denen Innen- und Außenteil durch
Gewinde oder Schrauben miteinander verbunden sind.
:::
Maßarbeit Lager für "echte" 16 mm-Stangen
haben in der Regel ein Innenmaß von etwa 16,5
mm. Lager für 5/8 Zoll-Stangen weisen in der Regel
ein Innenmaß
von nur 16,1 mm oder 16,2 mm auf. Für Stangen mit echten 16 mm
Durchmesser sind solche Lager in der Regel zu eng, um wirklich auf
Dauer einen leichtgängigen Stangenlauf zu
gewährleisten, denn
in den Lagern setzt sich nach und nach einiges an Schmutz ab. Dies gilt
besonders, wenn die Stangen mit Pronto geschmiert werden. Findet man
keine anderen Lager mit passendem Außendurchmesser, kann man
die
Lager innen mit Schleifpapier (Korn 150 oder 180, mit Korn 240 bis 600
oder Lackreiniger glattschleifen/polieren) ganz gut etwas weiten - dann
aber
bitte darauf achten, dass möglichst keine Schleifmittelreste
im
Lager zurückbleiben. In Lagern mit 16,5 mm Innendurchmesser
haben
umgekehrt 5/8 Zoll-Stangen relativ viel Spiel - was nicht unbedingt die
optimale Lösung ist.
::: Zum Einbau der Lager Zum Abschluss noch einige Hinweise zum Einbau
der Lager. Die
in Online-Shops angegebenen
Maße sind oft nur bedingt verlässlich. Besser ist es
daher, die Lager bzw. Muster vor Baubeginn zu ordern. Für
einige mir selbst bekannte Gleitlager gibt es genaue Maßangaben:
hier. Bestellt man
Lager, bevor man mit dem Bau beginnt, kann am
"lebenden Objekt" ausprobiert werden, ob etwa der Forstner-Bohrer
passende Löcher für die Lager bohrt. Während
mein 26 mm-Forstner-Bohrer zum Beispiel genau passende Löcher
für die bei Kicker-Klaus angebotenen Lager mit diesem
Außenmaß bohrte, berichteten andere Selbstbauer,
dass bei ihren Bohrern die Löcher minimal zu groß
gerieten - ob es an meinem Bohrer oder am Maß der Lager lag,
dass meine Löcher passten, habe ich nie kontrolliert.
Alternativ kann eine Oberfräse mit Kopierführung zum
Einsatz kommen - hier muss man eine passende Schablone für die
zum Einsatz kommenden Lager dann ohnehin bauen, so dass man sich nach
dem genauen Maß der Lager richten kann. Die Lagerbohrungen
sollten jedenfalls ziemlich passgenau sein und die Lager
dementsprechend stramm sitzen, damit die Verschraubung der Lager im
Korpus nicht allzusehr belastet wird - gerade in Mitteldichter
Faserplatte (MDF) sind Schraubverbindungen nämlich
nicht sehr
belastbar.
|